instant gratification – das mobile Internet macht es möglich

Die Nutzungsgewohnheiten der Österreicher betreffend mobile Kommunikation werden jedes Jahr von der Mobile Marketing Association Austria erhoben und präsentiert. Die aktuellen Zahlen kann man im Mobile Communications Report nachlesen.

Wir wollen hier nicht im Detail auf die Zahlen eingehen, dies sei dem Leser / der Leserin selbst überlassen. Erwähnenswert scheint jedoch, dass bereits im Jahr 2016 92% der Mobiltelefon Nutzer über ein Smartphone verfügten. Dies bringt mit sich, dass das Internet intensiver als je am Smartphone genutzt wird, was sich in Tirol, Kärnten, Oberösterreich und Wien mit einer prozentuellen Nutzung von mehr als 90% zu Buche schlägt. Dies scheint zu bedeuten, dass man alle Information der Welt gleichsam in der Tasche mit sich herumträgt. 🙂

Und nicht nur das – 82% der Smartphonebesitzer nutzen „Instant Messenger“ Dienste wie Whatsapp, Viber etc…. Man hat also nicht nur ein Werkzeug für die Recherche sämtlicher Informationen des Weltgeschehens, sondern auch die gesamte soziale Kommunikation dauernd und unmittelbar im Griff (oder doch vice versa?). Smartphones versprechen einen großen Vorteil durch den möglichen Zugriff auf schier unbeschränkte Resourcen und damit mehr Produktivität und mehr verfügbare Zeit. (Lee, Stephanie (2016), “Quantifying the Benefits of Smartphone Adoption: Digital Device Substitution and Digital Consumption Expansion,” Working Paper, Stanford University.)

Durchschnittliche Smartphone Nutzer interagieren mit dem Gerät 76 mal pro Tag, die Top 10% bewerkstelligen sogar bis zu 132 Smartphone-Sessions pro Tag. Von unmittelbar nach dem Aufwachen bis spät in die Nacht, manchmal sogar in der Nacht. Dabei verbringen die durchschnittlichen Nutzer täglich 145 Minuten und 2.617 Aktionen, die Top 10% Nutzer täglich 225 Minuten und  5.427 Aktionen mit ihrem Smartphone (2016 https://blog.dscout.com/)

Wie sich dies auf unser Verhalten und auf unseren Arbeitsalltag auswirkt, wird zunehmend kritisch betrachtet und in Studien hinterfragt.

So erschien im April 2017 eine Studie der „Association for Consumer Research“  – Brain Drain: The Mere Presence of One’s Own Smartphone Reduces Available Cognitive Capacity, , , and in der untersucht wurde, wie sich das Smartphone auf die kognitiven Fähigkeiten von Personen auswirkt.

Diese Studie beschäftigt sich dabei nicht ausdrücklich mit der Ablenkung von der jeweils augenblicklichen Beschäftigung durch Messenger-Nachrichten aus dem sozialen Umfeld der Probanden oder durch eventuelle Push- oder Update Meldungen der installierten Apps, sondern nimmt nur die Fähigkeit, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, in den Fokus.
Ausgangspunkt für die Erhebungen war die bewusste Steuerung der Reichweite und Sichtbarkeit der Smartphones der jeweiligen Testpersonen. Hohe Aufmerksamkeit* impliziert dabei das Smartphone am Schreibtisch und in Sichtweite, mittlere Aufmerksamkeit** das Smartphone in Griffweite, allerdings nicht in Sicht (wie z.B. in der Hosentasche) und geringe Aufmerksamkeit*** – das Smartphone außer Reichweite und auch nicht in Sicht.

Das Ergebnis der Untersuchung mittels eines „Operation Span task“ Tests (damit kann gemessen werden, wie gut Menschen sich auf mehrere Aufgaben gleichzeitig konzentrieren können) mit 520 Probanden zeigte eine signifikant geringere Gedächtnisleistung bei der Position des Smartphone unter dem Aspekt der hohen Aufmerksamkeit*.
Die Leistung sinkt hiebei um ca. 10% gegenüber der geringen Aufmerksamkeit***. Die Ergebnisse bei mittlerer Aufmerksamkeit** liegen ca 2% über dem Ergebnis der hohen Aufmerksamkeit*.

Alexander Markowetz, Informatik-Professor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, sieht das Problem darin, dass das Prinzip des Smartphones „sofortige Befriedigung – instant gratification“ verspricht. (Alexander Markowetz – Digitaler Burnout – Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist. Verlag Droemer:2015)
In diesem Zusammenhang wurde eine Android-App entwickelt, mit deren Hilfe man den eigenen Umgang mit dem Smartphone kontrollieren kann – und zusätzlich zu dem damit befassten Forschungsprojekt beiträgt.

Dies im Gegensatz zu der Geduld, die man üblicherweise benötigt, ein Projekt anzugehen oder gar zu vollenden. Diese instantane Befriedigung der kleinen Bedürfnisse ist im Smartphone gleichsam eingebaut und wirkt auf uns wie eine Droge.