das Panopticon in der Hosentasche oder gar implantiert

Der CEO von Three Square Market, Todd Westby, hat vor einiger Zeit in einem Video die Vorteile dargelegt, die seine Mitarbeiter hätten, wenn sie sich einen reiskorngroßen RFID-Chip unter die Haut injizieren ließen – siehe CNBC.  Und seine Mitarbeiter haben dieses Angebot zu einem großen Teil gerne freiwillig angenommen. Mittels dieses Chips können zum Beispiel  bargeldlose Zahlungen bequem und ohne viel Aufwand abgewickelt werden. Weitere Anwendungen könnten Speicherung von persönlichen Dokumenten etc. sein. Möglichen Anwendungen seien keine Grenzen gesetzt – selbstverständlich würde diese Technologie nicht zum Tracking benutzt.

Bereits im Jahr 2015 hatte das schwedische Start-up Epicenter damit begonnen, Mitarbeitern solch einen Chip zu implantieren. Der Mitgründer von Epicenter Patrick Mesterton nennt die Vorteile: „Der größte Vorteil ist die Bequemlichkeit. …  [Der Chip] ersetzt eine ganze Reihe von Dingen – Kommunikationsgeräte, Kreditkarten, Schlüssel.“ (Die Welt – im April 2017) – in der Zwischenzeit haben mehr als 150 Mitarbeiter solche Chips implantiert.

Für manche Zeitgenossen geht so ein Implantat möglicherweise zu weit – andere werden sich von den Vorteilen, die so ein derartiger RFID Chip bringt, wohl überzeugen lassen. Was diese Chips können, können zum großen Teil Smartphones auch, und bieten darüber hinaus noch wesentlich mehr an Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten mittels einer Vielzahl von installierbaren Applikationen (Apps).

Ob Smartphone, RFID-Chip, Fitness-Tracker oder andere Gadgets, diese Geräte produzieren eine Unzahl von Daten, die nicht auf dem jeweiligen Gerät verbleiben, sondern mit der Vernetzung und Übermittlung der Daten an zentrale Server die meisten Services erst möglich machen. Wir tragen also mehr oder minder freiwillig etwas mit uns, was als Panopticon bezeichnet werden könnte.

Panopticon!?

Der Utilitarist Jeremy Bentham (1748 – 1832) hat das Panopticon als archtektonisches Modell einer Überwachungsanlage für Fabriksarbeiter oder Gefangene entworfen. Das Grundprinzip des Panopticons als Modell für eine Überwachungsanstalt besteht in der Hauptsache aus der Möglichkeit eines Beobachters, die Kontrolle über die zu Disziplinierenden von einem zentralen Punkt aus wahrnehmen zu können und dabei selbst unsichtbar zu bleiben. Die Gefangenen sind aus dem Blickwinkel des Wächters im Gegenlicht gut sichtbar, der Wächter selbst kann jedoch im Dunkel seines Standortes nicht ausgemacht werden. Mithin wissen die zu Beobachtenden nicht, ob sie gerade überwacht werden. Im Ergebnis kann also mit geringem personellem Aufwand eine große Zahl von Menschen permanent und total überwacht werden. Der Beobachtete  findet sich ins Licht gerückt.

Dieses Modell des Jeremy Bentham benutzt Michel Foucault anschaulich zur Darstellung von Disziplinargesellschaften. So schreibt Foucault: „Disziplin ist im Grunde der Machtmechanismus, über den wir den Gesellschaftskörper bis hin zum kleinsten Element, bis hinzu den sozialen Atomen, also den Individuen zu kontrollieren vermögen. Es handelt sich um die Techniken der Individualisierung von Macht. Wie kann man jemanden überwachen, sein Verhalten und seine Eignung kontrollieren, seine Leistung steigern, seine Fähigkeiten verbessern? Wie kann man ihn an den Platz stellen, an dem er am nützlichsten ist? Darum geht es bei der Disziplin.“ (Überwachen und Strafen 1975 – Kapitel: Der Panoptismus)

Ist es aufgefallen?! – wie kann man den Menschen an den Platz stellen, an dem er am nützlichsten ist!! – Nützlich für wen und wofür??

Die Macht wird automatisiert und entindividualisiert, denn im Zentralraum sieht man alles ohne je gesehen zu werden und es hat wenig Bedeutung wer die Beobachterposition einnimmt, diese Person ist austauschbar. Außenwelt wird nicht ausgeschlossen, jeder kann Überwachungsfunktion übernehmen.

Unter diesen Aspekten, die Foucault in „Überwachen und Strafen“ ausgearbeitet hat, ist die Datenflut, die wir mit unseren Datenschleudern genannt Smartphones, Fitness-Tracker etc. befüllen, das Medium des beobachtbaren Raums. Somit ist dies die Information über Aktivität und Konformität von Bürgerinnen und Bürgern, sowie über deren mögliche Verstöße gegen die gültige Ordnung unserer Gesellschaften. Die Tendenz innerhalb der Gesellschaft, diese Geräte zu nutzen, macht die mögliche Kontrolle allgegenwärtig – Menschen die dabei nicht mitmachen, laufen Gefahr, sich verstärkt sozialem Druck auszusetzen.

Dies kann mit ein Grund sein, warum Regierungen und Staaten die anfallenden Daten nicht nur den international tätigen Unternehmen zukommen lassen wollen und ständig danach trachten ihre Befugnisse Überwachungstechnologien einzusetzen, erweitern.

Wie weit die Disziplinierung mittels Überwachung in einer „Digitalisierten Gesellschaft“ erfolgt und welche Kriterien dabei die mittels Smarphones eingesetzten  Techniken spielen können, wird zu thematisieren sein.