Das Digital-Manifest – Editorial

9* Wissenschaftler haben zum Jahreswechsel 2015/2016 ein digitales Manifest veröffentlicht, in dem sie auf mögliche Entwicklungen im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung vielfältiger gesellschaftlicher Aspekte Bezug nehmen. Die dabei angesprochenen Themen betreffen maßgebliche Errungenschaften der westlichen demokratisch orientierten Gesellschaften und malen ein zum Teil sehr düsteres Bild für die Zukunft.

Es erscheint unerlässlich, sowohl die positiven als auch mögliche negative Entwicklungen der Digitalisierung zu benennen und damit im Zusammenhang stehende Auswirkungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. In der aktuellen Diskussion vorherrschende Positionen vertreten in der Regel eine ins Positive übersteigerte Sichtweise der wirtschaftlichen und persönlichen Vorteile, die jeder Bürgerin und jedem Bürger in Gesellschaften erwachsen, die digitale Notwendigkeiten erfolgreich umsetzen – oder im Gegensatz vor gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung warnen und eine Dystopie entwerfen, die George Orwell – 1984 in den Schatten stellt.

Was die Zukunft gebracht haben wird ;-), können wir mit Sicherheit nur aus der betrachtenden Rückschau beschreiben, sobald die heutige Zukunft zu unserer Vergangenheit geworden ist – man kann somit annehmen, dass beide genannten Einschätzungen der extrem beschriebenen Positionen nicht so eintreten werden, wie sie sich uns heute darstellen. Komplexe Phänomene, wie die Digitalisierung eines darstellt, haben jedoch die Eigenschaft, exponentielle Entwicklungen zur Folge zu haben. Dies bedeutet, dass sowohl positive als auch negative Folgen der Digitalisierung zu herausfordernden Veränderungen unserer Gesellschaften führen werden.

In der Zwischenzeit wurden die Themen dieses Manifests weitergeführt und um kritische – im philosophischen Sinn – Kommentare und Antworten erweitert. (Carsten Könneker: Unsere digitale Zukunft: In welcher Welt wollen wir leben? – German Edition – Springer 2017)

* Dirk Helbing, Bruno S. Frey, Gerd Gigerenzer, Ernst Hafen, Michael Hagner, Yvonne Hofstetter, Jeroen van den Hoven, Roberto V. Zicari, Andrej Zwitter

Editorial:


Die in diesem Manifest enthaltene Aufforderung, Auseinandersetzungen mit diesen spezifischen Themen und einen damit in Zusammenhang stehenden Dialog in die Gesellschaft hineinzutragen, wollen wir mit unterschiedlichen Aktivitäten unterstützen. Diese Website und die hierin dargestellten Überlegungen, Auswertungen und Projekte sind ein Teil der Dokumentation.

In den nächsten Wochen und Monaten wird hier eine Sammlung von Berichten, Umfragen, qualitativen Erhebungen, Diskussionen, Vorträgen, Terminen etc. … zum Thema „Digitalisierte Gesellschaft“ entstehen.

Die Initiative für das  kulturwissenschaftlich / philosophische / inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekt zum Thema der Digitalisierung geht von mir aus und hat zum Ziel, sozialwissenschaftliche, technische, ökonomische und praktische, gesellschaftliche Positionen und Auswirkungen zu diskutieren.

Dieses Forschungsprojekt basiert im ersten Schritt auf Zusammenarbeit und Diskussionen mit Mitgliedern von Universitätsinstituten in Österreich, Deutschland, USA (Kalifornien), sowie  Data-Analysten, KI- und MachineLearning Spezialisten, Datenschützern und Datenschutzorganisationen, IT-Unternehmern, Fachjournalisten und nicht zuletzt politischen Verantwortungsträgern in Österreich und Europa. Im Laufe des Projekts werden weitere Kooperation mit  Instituten, Organisationen, Unternehmen und Personen gesucht, die sich umfassend mit dem Thema der Digitalisierung auseinandersetzen und denen es ein Anliegen ist, die digitalisierte Gesellschaft proaktiv zu gestalten.

 

Wien/Bad Aussee im August 2017

Mag. Dr. Walter Karban